Die kurze Geschichte des
Bonanzarades

Damals begann, wie so viele Trends, auch Dieser in den United States. Amerikanischen Berichten zufolge, datieren
die Anfänge auf ca. 1962. Der Legende nach waren es Latino-Kids, die Motoradsitzbänke und -lenker an ihre Fahrräder
montierten. Erste Anlehnungen an diesen Fahrradtyp erschienen Mitte der 60er Jahre bei uns auf dem Markt.

Der Durchbruch in Deutschland aber kam wohl mit Katalogversender Neckermann.
Dessen legendäre High-Riser mit Namen BONANZA, die ab ca. 1968 bei Kynast
in Quakenbrück gebaut wurden, trugen erheblich dazu bei, daß das Bonanzarad in
aller Munde war. Obwohl lediglich ein geschützter Handelsname, den Neckermann
übrigens bis in die 80er Jahre u.a. in der Campingabteilung verwendete, konnte
BONANZA der ganzen Sache einen Stempel aufdrücken. Die offiziellen
Handelsbezeichnungen wie Polorad oder High-Riser sind weniger geläufig. Sogar
das Patentamt entschied, daß Bonanzarad nicht schützbar, weil beschreibend, ist.

Mit den Bonanzarädern konnte sich auch erstmals eine Modeerscheinung im Fahrradmarkt etablieren. Mit Ausklang
dieser Modewelle, Mitte der 70er Jahre, verschwanden die Räder, erst aus den Regalen der Händler, später auch aus
dem Straßenbild. Die nachfolgende Generation hatte längst BMX-Räder entdeckt, die Räder die das hielten, was
Bonanzaräder optisch versprachen- nämlich Geländetauglichkeit.


Heute sind Bonanzaräder wie vom Erdboden verschluckt.
In den frühen 90er avancierte das Bonanzarad kurzzeitig zum "Konsumverweigererprodukt" : Schräge Vögel, die der 'Menschheit mit Ihren vollgefederten Carbonrahmen' signalisierten :
Seht her, es geht auch anders ! Im folgenden Jahrtausend änderte sich das ein wenig.
Hier und dort wird schon mal eines ausgegraben und wiederbelebt, aber nur wenige Poloräder
überlebten unsere Schneller-Höher-Weiter-Gesellschaft, unseren Hang zur Perfektion.
Heute ist ein Bonanzarad ein Sympathieträger, bei dem es nicht um Hi-Tech und Komfort geht.
Hier geht es um ein Stück Lebensgefühl und das Wiedererleben der Jugend, um das Ausleben
des Spiel- und Basteltriebs von "großen Kindern". Ein solches Sück möchte individuell getunt
werden : Vom Fuchsschwanz bis zur Chromhupe, Tacho, Blinker, der Wimpel des Lieblings-
vereines, die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Wer heute noch ein Bonanzarad sein eigen
nennt und gerade mal wieder der Sonne entgegen radelt, weiß wovon wir schreiben.




Morgen ist eine Wiederholung dieser sensationellen Erfolgsstory ausgeschlossen.
Obwohl, kaufkraftgemessen, preiswerter als damals, locken heute - Discounter machen es möglich -
vollgefederte 24-Gang Komforträder in dieser Preisregion. Das Bonanzarad ist und bleibt was es ist -
ein liebgewonnener Oldtimer, der auf den Straßen, genau wie Autos und Motorräder aus dieser Zeit,
nur noch selten gesehen wird.